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G E R D s

E L E V E N T Y

S E E W I N D

Der Seewind

Zum einen ist das Titelbild dieser Ausgabe für einen gar verwunschenem See im Nebelwalde recht hell geraten. Da ist zwar der Nebel vorhanden, aber der wirkt doch schon vom Lichte durchflutet. Und doch finden sich darauf Wilen, welche dem Wasserreich zugerechnet werden, und ihre wilden Tänze mit losem Haar, leichten Kleidern und mit dünnen Schleiern sähen so einige lieber im verborgenden Dunkel, in welches man lieber nicht hineinblickt.

Da muss also schon eine Begegnung des dunklen See im Walde mit dem Wind aus dem lichten Luftkreis stattgefunden haben. Auch befinden sich die Wilen weder im Wasser, noch tauchen sie, gleich dem Nöck, aus den dunklen und geheimnisvollen Tiefen auf. Vielmehr schweben und tanzen sie bereits über dem Gewässer … und schicken sich an, dem Lichte zu folgen ?

Was ist zuvor geschehen, und wie setzt sich die Handlung fort ?

Das als „Seewind“ empfundens Zeichen kommt mir wieder aus dem „Buch der Wandlungen“, ist dort das 61. von 64 Zeichen und wird „zhong fú“, bzw. „Das Pfand löst sich ein (das Treffen der Brut; innere Treue)“, sowie Innere Wahrheit bezeichnet.

Über dem See gibt es Wind: Löst das Pfand ein. So bespricht der Fürstensohn Streitfälle und lockert die Todesstrafe.

Diese Formulierung spricht mich an, denn sie vermag mir einen Meilenstein auf dem Wege der Dunklen Dämonen Erlösung zu zeigen … Darum geht es ja, wenn sich in der christlichen Geste der Himmel der Erde annimmt … Da verwandelt sich auch der See selbst zur Heiteren … Doch nun zum Bild des „Seewind“:

Der „See“ leitet sich vom Luftelement (zweimal Yang) ab, aus welcher sich nicht der Himmel, sondern (im Yin darüber) das stille, tiefe Gewässer (oder ein Sumpf) ergeben hat. Die Luft füllt aus, streut das Licht und vermittelt, ist von sich aus ruhend (die Eins). Wir atmen alle die Luft und sind einander mit ihr verbunden.

Der „Wind“ leitet sich vom Wasserelement (unten Yin, oben Yang) ab, worin sich dessen Beweglichkeit (im Yang darüber) nun in den Licht- und Luftkreis erstreckt.
Wasser hat einen Weg (die Zwei von A nach B) und bewegt sich. Im Winde liegt ja das Wasserelementarische im Luftkreis.

Mir scheint der See stehe für eine an der Boden Oberfläche „gebundene Luft“, und der Wind wäre das „freibewegliche Wasser“ im Raume.

Doch die (im Yang) ausgeprägte Mitte beider Charaktere ermöglicht (mir) deren Begegnung:

Der Wind weht nicht bloß über den Wolken, den Berggipfeln, den Baumkronen, sondern weht auch im Tale und dringt in den Wald ein, selbst wenn er darin abgeschwächter weht wie in den lichten Höhen.

Der See liegt nicht im Verborgenen unter dem Fels oder in einem Berg, sondern ist oberirdisch und bildet eine Oberfläche, welche die Luft darüber berührt, selbst wenn dieser in die Tiefe reicht und über unterirdische Quellen verfügt.

So mag sich der bewegliche Wind aus den Höhen in den Lebens-Raum des Nebelwaldes herab begeben, den See an dessen Oberfläche fein und leicht berührt, sowie den Muff der stehenden Luft und mitunter der Sumpfgase darüber weggeweht haben.

Damit lädt der Wind die Tanzenden in den über dem See liegenden Luftkreis ein, welcher hier noch unumstritten zum Nebelwald gehört. Es kommt Bewegung in das Abgestandene, die Irrlichter ziehen sich zurück.

Nachdem der Wind dem Sonnenlichte im Wegwehen des Hochnebels und der Wolken seine Bahn in den Wald frei gemacht hat, treten nun die im See verborgenen Wilen in die Sichtbarkeit und zeigen sich in ihrem Tanze. Der Nebel über dem See im Walde ist geblieben und lässt sich von der Sonne aufhellen, das die Wilen im morgendlichen Tanze anregt.

Aus Sicht der Familie des Trigramms hat also die älteste Tochter die drei Töchter zusammen gebracht: zuerst hat sie die jüngste aufgesucht und dann ist sie zum Boten der mittleren, des Lí als „Lichthof der Sonne“, geworden … Nun haben sich alle im Walde eingefunden … und da tanzen nun die Wilen in der lichten Nebenatmosphäre, welche das Bild aufhellt.

Oft sind die ältesten Kinder die Traditionsträger und quasi die Organisatoren ihrer Geschwister in der Familie, während die jüngsten originell neue, eigene Wege gehen und mitunter erfinderisch werden.

Im gemeinsamen Abenteuer der drei Töchter ist so Manches an das Tageslicht gekommen, und dies rührt die Wilen in der lichten Nebenatmosphäre ihre Tänze zu veredeln und zu durchlichten … darin werden diese bewusster und geführter … der Wilen Freude darin wacher, und alles wird gewissermaßen intensiver, „gesammelter“ … gestaltbarer … u.a. das Verhältnis zu ihrer Umwelt.

Nach einiger Zeit und mancher Reisen gelangen sie wieder in ihren See zurück und verwandeln diesen mit ihren mitgebrachten „Lichtern“ allmählich im (wiederholt-übender Weise) zur Stätte der Versöhnung mit speicherndem (Moore speichern das meiste CO2 und sind uns Verbündete im Umgehen mit dem Klimawandel), ausgleichendem (im Walde am See findet sich ein gesünderes Mikroklima, siehe im Buch „Wald tut gut“) und lösendem, dann auch heitererem Wirken. So wird die jüngste Tochter zur Heiteren und Wiederaufgenommenen in ihrer Familie des Trigramms.

In Märchen mit mehreren Schwestern ist meist die Jüngste die Schönste und Begehrteste in der Liebe …

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